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Frankreich

Wolfsbarsche in Frankreich
(Cancale & Arzon)

…der erste Sonnenaufgang in Frankreich

Ich muss hier erst einmal vorweg greifen, dass die Tour nach Frankreich in erster Linie als Urlaub mit meiner Liebsten geplant war. Ja ok, Angelgerät sollte schon mit, nur sollte dieser Urlaub nicht in einen reinen Angelurlaub ausarten.

Die Normandie

Um nicht schon bei der Urlaubsplanung nur nach guten Angelmöglichkeiten Ausschau zu halten, kam mir die Idee, einfach mal alles auf mich zukommen zu lassen. Mit dem Gedanken, nur mit meiner Angelerfahrung nach Frankreich zu fahren und nicht schon im Vorfeld alles von hinten nach vorn durch zu planen. Ich konnte mich damit zwar nur schwer anfreunden, aber der Selbstversuch  völlig ins Ungewisse zu fahren, gefiel mir zunehmend. Einmal selbst in die Situation zu kommen, in der man nicht weiß was passiert. Fragen über das Wann, Wo und Wie sollten aufgrund der langjährigen Erfahrungen doch nicht so schwer zu beantworten sein. Aber was soll ich sagen…wie heißt es so schön: „Manchmal kommt es anders als man denkt.“. Das war doch schwerer als gedacht, aber zumindest nicht erfolglos ;-).

Häufig bekomme ich e-mails, in denen es sich genau um diese drei Fragewörter dreht. Ob meine Tipps Früchte getragen haben, wurde nie beantwortet. Da bleibt einem nur der Selbstversuch.

Labrax wagon 😉

Da im Auto nur begrenzt Platz zur Verfügung stand, konzentrierte ich mich auf das Spinnfischen. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, sollte man sich nicht nur auf eine Kunstködersorte festlegen. Daher habe ich meine Köderboxen mit Blinker, Shads, Twister und Wobbler in allen Größen und Formen gefüllt. Im Gepäck hatte ich u.a. Wobbler in Längen von 7 – 13 cm, damit deckt man gut eine der Hauptnahrungen der Wolfsbarsche ab, z.B. wie Anchovis, Sardinen oder Sandaale. Man weiß nie, was zurzeit die Lieblingsspeise der Räuber ist, vorallem Wolfsbarsche sind sehr wählerisch. Selbst die Größe der Futterfische kann bei der Wahl der Köder entscheidend sein. Fischt man an Stränden, wo mit wenig Köderverlust gerechnet werden kann, können Softbaits wie Shads, Twister oder Softjerks der entscheidende Kunstköder sein. Hart am Grund geführt haben sie schon den einen oder anderen Angeltag zu einem Fangtag werden lassen.

Dieppe / Normandie

Die Angelsachen waren schnell zusammen gesucht und in der Kiste verstaut. Nur noch den Rest, den man zum Campen benötig ins Auto gepackt und ab ging die Tour nach Frankreich. Erstes Etappenziel war Dieppe in der Normandie im Norden Frankreichs. Dort angekommen vielen direkt die vielen Angler auf der Hafenmauer ins Auge. Was die dort wohl so Fangen? Nichts wie rauf auf die Mauer, um die Neugierde zu stillen. Ein ernüchternder Anblick waren jedoch die Fänge, die in ihren Eimern schwammen: kleine Franzosendorsche, Sardinen und Sandaale… für eine Bouillabaisse wird’s wohl reichen.  Auch die Wetterbedingungen luden eher zum Sonnenbaden ein, als zur Wolfsbarschjagd – feinstes Kaiserwetter! Nach einem Stadtrundgang ging es weiter die Küste entlang. An den folgenden Tagen „on the Road“ bot sich das gleiche Bild an der Küstenlinie: Schönstes Wetter, glatte See, keine Angler, die am Strand oder auf den Felsen standen; außer ein paar Bootsanglern war nicht viel aus zu machen, was ein Uferanglerherz beglückt.

Die Hafenmauer von Dieppe

Bootsangler vor der Kreideküste / Normandie

Den ersten mehrtägigen Stopp machten wir in Cancale in der Bretagne. Im Gegensatz zur Normandie (zumindest den Teil, in dem wir waren) verlief die Küste hier etwas flacher. Kein unüberwindbares Steilufer, das bis zu 50m Höhenunterschied zu Wasser hatte. Hier konnte man die steinigen Ufer und deren maritime Bewohner aus der Nähe betrachten. Für ortsunkundige Angler  können dies wichtige Informationen sein, die über die aktuelle Beute der Wolfsbarsche Auskunft geben können. Sind nämlich viele Garnelen und Krebse am Ufersaum zu finden, kann es schwer für den Spinnangler werden. Wenn jedoch Kleinfische oder Brutfische unterwegs sind, sollte man diesen Abschnitt für eventuelle Angelversuche im Hinterkopf behalten. An den Strandabschnitten, die ich in Augenschein genommen hatte, konnte man kleine Schwärme von Sardinen oder Anchovis ausmachen. Fügt man nun einen weiteren wichtigen Faktor – die Gezeiten – hinzu, ist die halbe Miete für den Fangerfolg schon bezahlt.

Steilküste (Kreideküste) Normandie

Nach weiteren Stränden und felsigen Uferabschnitten konnte ich sie entdecken: Eine scheinbar seltene Spezies an Frankreichs Küste – „Uferangler“. Also ist es doch möglich, Fische bzw. Wolfsbarsche oder andere Räuber vom Ufer her zu fangen. Einige der Angler fischten mit Sandaalen an der Posenmontage und der ein oder andere sogar mit Kunstködern.

Uferangler nähe Cancale / Bretagne

Von da an gab es kein Halten mehr für mich, am Abend sollten die Kunstköder im Salzwasser gebadet werden.

Jetzt mal abgesehen von meinem Anglertunnelblick, die Küste rund um Cancale ist schon beeindruckend. Strände, Felsen, blaues klares Wasser – man könnte meinen man wäre an einem anderen Ort und nicht am Ärmelkanal. Kleiner Tipp: Wer nicht nur die kurzen Küstenabschnitte in der Nähe von Parkplätzen genießen möchte, sollte sich ein sagen wir mal geländefähiges Fahrrad mitnehmen – es lohnt sich auf jeden Fall!

Erst einmal jedoch für das leibliche Wohl gesorgt und ab in den nächsten Supermarkt, der für eine Überraschung sorgte: Eine Angelabteilung. O.k. nichts Außergewöhnliches, denn hier in Deutschland führen einige Supermarktketten ab und an auch Angelkram in ihrem Sortiment. Aber Naturköder ! größtenteils zwar gefroren (Sandaale, Tintenfische und Muschelfleisch), aber auch lebende Seeringelwürmer in unterschiedlichen Größen lagen dort im Kühlschrank. Also was soll da noch passieren – wenn es mit Kunstköder nicht läuft, wird am nächsten Tag nochmal der Supermarkt (Supermarché) besucht.

Die Stunde(n) der Wahrheit war angebrochen: Ich stand bewaffnet mit meinem Tackle dort, wo die anderen Angler gefischt hatten und warf meinen Kunstköder in die Fluten. Nach und nach trafen auch die anderen Angler wieder am Platz ein. Doch Wurf um Wurf verstrich die Zeit, ohne einen Fischkontakt bei mir oder den anderen Anglern. Irgendwas lief falsch; entweder die anderen Angler hatten auch noch nie hier gefischt oder sie behielten ihr Erfolgsrezept für sich. Nun gut, in der gesamten Zeit hatte ich noch keine Anzeichen von Fisch gesehen, nicht von den Räubern oder geschweige denn von deren Beute. Kurz überlegt entschied ich mich, meine Segel an diesem Platz zu streichen und ein paar Meter (Luftlinie wohl gemerkt) zu wandern, dort sah es am Vormittag besser aus, zumindest war dort Kleinfisch anwesend.

Nach einer Kletterpartie über einige Klippen (gefühlte Kilometer) endlich angekommen, konnte man im letzten Sonnenlicht raubende Fische ausmachen und Kleinfische weg spritzen hören. Yeaha, sollten es auch noch Wolfsbarsch sein? Mein Grinsen war nun wie versteinert. Schnell noch die Größe der Kleinfische abgeschätzt (ca. 7 – 10 cm), den richtigen Wobbler (X80 SW von Megabass – 8cm) ans Band geknotet, raus das Teil und rums war die Rute krumm. Am anderen Ende war ein vertrautes, kräftiges Rucken zu fühlen. Yes, der erste bar (franz. für Wolfsbarsch) kämpfte am anderen Ende der Schnur.

Nach kurzem aber genussvollem Drill und geglückter Landung ein paar Fotos gemacht und den bar wieder schonend Retoure ins Wasser. Mir war nach Jubeln, aber die Fische waren noch da und raubten was das Zeug hielt. Das Wasser kochte förmlich, also nix wie raus mit dem kleinen Jerkbait. Nach ca. einer Stunde und 6 weiteren Wölfis war der Spuk vorbei, alle Wolfsbarsche hatten ein Maß um die 50 cm.

Nach all der Euphorie wieder zum Verstand zurück – halten wir mal fest: Nicht immer sollte man wie ein Schaf der Herde hinterher trotten. Will man entspannt am Wasser sitzen ist das kein Problem. Will man jedoch Fisch fangen, sollte man die grauen Zellen in Wallung bringen.

Wie sagte noch ein berühmter englischer Wolfsbarschangler (Mike Ladle): look before you think and think before you fish. Wie wahr – wie wahr. Nicht immer ist eine Angelstelle erfolgversprechend, nur weil einige Angler dort fischen – lieber auch mal die benachbarten Küstenabschnitte in Augenschein nehmen.  Am nächsten Abend ging es wieder zurück an diese Wolfsbarschstelle. Man beginnt ja bekanntlich, womit man den erfolgreichen Vortag beendet hat. Nach unzähligen Würfen wechselte ich dann doch auf einen lauteren Jerkbait (Pointer 78 SP  Lucky Craft) und ging ein paar Schritte weiter. Nach ein ein paar Würfen zack die Rute krumm, aber diesmal waren keine kraftvollen Kopfschläge am anderen Ende der Schnur zu spüren – eher ein hoch frequentiertes Flattern bei den langen Fluchten: Makrelen. Nach der fünften Getigerten war meine Angellust gestillt. In den folgenden Tagen wechselte das Wetter in Regen und steifen Nordwind – Zeit auch hier die Segel zu streichen.

Der nächste Stopp war die Küste von Morbihan, genauer gesagt rund um die Mündung des Golfs von Morbihan. Das erste das einem dort auffällt umso näher man der Küste kommt, sind die vielen Gebrauchtboothändler. So wie bei uns die Gebrauchtwagenhändler einer nach dem anderen und zum größten Teil werden dort ausschließlich Angelboote angeboten – Traumland!

Kleiner Tipp: wenn man nicht nur seinen Urlaub dort mit Angeln verbringen möchte, sind die unzähligen keltischen Sehenswürdigkeiten zu empfehlen: Ob jetzt Obelix Garten (Monolithenfelder) oder Dolmen (Grabstätten ?) und Hügelgräber, man kommt voll auf seine Kosten.

Zurück zum Wesentlichen, der Angelei. Auf den ersten Blick scheint die Küste vielversprechend, jedoch ohne Vorkenntnis wird die Angelei dort zu einem schweren Unterfangen. Die Strände und felsigen Abschnitte verlaufen dort viel flacher ins Meer als im Norden.   Bei Niedrigwasser laufen viele Strandabschnitte flacher als gedacht. Selbst in Wurfweite (ca. 20m) setzt ein flach laufender Wobbler nach wenigen Kurbelumdrehungen schon auf Grund auf. Da hilft entweder nur eine Watthose, um im tieferen Wasser zu Fischen oder den Angelplatz zu wechseln. Letzteres war nicht nur wegen fehlender Watthose zu realisieren, auch die Neugierde beim Anblick der Golfmündung kitzelte an meinem Anglergen.

Beeindruckend der mächtige Gezeitenstrom, bei dem das Wasser des Golfs von Morbihan durch die Mündung gedrückt wird. Ein Nachteil hat diese harte Strömung, Wolfsbarsche verharren so lange am Grund um Energie zu sparen bis der Strömungsdruck abnimmt. Aufgrund des felsigen Ufers ist ein Angeln mit Shads über Grund vom Ufer her kaum möglich, meine Versuche blieben bei jedem Wurf am Felsgrund hängen. Entweder man hat ein Boot um vertikal zu Fischen oder man muss auf einen günstigen Zeitpunkt warten, wenn die Fische wieder in den obereren Wasserschichten jagen.

Meine Empfehlung die ich immer gebe: Bis zum Gezeitenwechsel warten, traf auch hier den Punkt. Kurz nach Niedrigwasser, wenn die Flut allmählich zurückkehrt, kamen auch die Attacken auf meine Stickbaits. Leider blieb es jedoch bei Fehlbissen. Nächster Beißzeitpunkt kam, als die Flut wieder über die getrockneten Uferkanten trat und das Wasser leicht eintrübte. Die Wassertrübung nutzen Wolfsbarsche als Hinterhalt, um ahnungslose Kleinfischschwärme zu attackieren – so die Theorie. Ein auffällig gefärbter Wobbler gab Gewissheit, beim zweiten Wurf wurde das Twitchen des Wobblers/Jerkbait abrupt beendet.

Nach diesem Bretagne Bar kann ich mit ruhigem Gewissen meine klugen Sprüche und Ratschläge an Wissbegierige weiter geben. Also löchert mich weiter mit euren Fragen per E-Mail oder am Wasser. Wenn mir etwas nicht selbst plausibel scheint, werde ich es sofort oder zumindest bei der nächsten Wolfsjagdd ausprobieren und an euch weitergeben.

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